
Paul Klee: Leben, Werk und Krankheit – alle Fakten
Wenn man an Paul Klee denkt, tauchen sofort Bilder in leuchtenden Farben auf: Fantasiewesen, stilisierte Gesichter, rätselhafte Symbole. Der schweizerisch-deutsche Künstler schuf über 9.000 Werke und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts – doch sein Leben war nicht nur von Kreativität geprägt, sondern auch von einer schweren Autoimmunerkrankung, die ab 1935 seinen Alltag und sein Schaffen grundlegend veränderte.
Geburtsdatum: 18. Dezember 1879 ·
Sterbedatum: 29. Juni 1940 ·
Anzahl Werke: über 9.000 ·
Bekanntestes Werk: Senecio (1922) ·
Krankheit: Sklerodermie ·
Teuerstes versteigertes Gemälde: Der Vollmond (7,4 Mio. $)
Kurzüberblick
- Geburts- und Sterbedaten sind dokumentiert (Britannica)
- Über 9.000 Werke geschaffen (Britannica)
- Sklerodermie ab 1935 diagnostiziert (Zentrum Paul Klee)
- Senecio (1922) ist eines der bekanntesten Werke (Singulart)
- Ob die Sklerodermie eine Berufskrankheit durch Arsen in Malerfarben war (PubMed)
- Exakte Diagnose zu Lebzeiten nicht gesichert (zwitscher-maschine.org)
- 1935: Erste Symptome der Sklerodermie (Zentrum Paul Klee)
- 1936: Diagnose wird von mehreren Quellen datiert (PubMed)
- Forschung zur Berufskrankheit bleibt offen (Deutsche Nationalbibliothek)
- Werkeverzeichnis wird weiterhin wissenschaftlich erschlossen (Zentrum Paul Klee)
Sechs zentrale Fakten auf einen Blick – von der Geburtsstadt bis zum teuersten Gemälde.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Vollständiger Name | Paul Ernst Klee |
| Geburtsdatum | 18. Dezember 1879 |
| Sterbedatum | 29. Juni 1940 |
| Nationalität | Deutsch-Schweizer |
| Anzahl Werke | über 9.000 |
| Bekanntestes Werk | Senecio (1922) |
Welches Bild von Paul Klee ist sehr bekannt?
Die Antwort ist vielschichtig: Klees Œuvre bietet mehrere Ikonen, doch ein Werk sticht besonders hervor.
Was ist Senecio von Paul Klee?
Senecio, gemalt 1922, gilt als eines der bekanntesten Werke Paul Klees und hängt heute im Kunstmuseum Basel. Das Gemälde zeigt ein stilisiertes kindliches Gesicht mit runden Augen und leuchtenden Farbflächen – ein Paradebeispiel für Klees Fähigkeit, Abstraktion und Figürlichkeit zu verbinden. Laut dem Kunstmarktplatz Singulart wird Senecio in populären Übersichten stets als eines der Hauptwerke genannt.
Senecio zeigt exemplarisch, wie Klee mit einfachen geometrischen Formen eine emotionale Tiefe erzeugt, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht. Der Titel verweist auf den lateinischen Begriff für „Greis” – ein ironischer Kontrast zur kindlichen Darstellung.
Welche Bilder malte Paul Klee?
Klees Werk umfasst eine breite Palette an Motiven und Techniken. Neben Senecio zählen zu den bekannten Arbeiten:
- Goldfisch (1925) – ein farbenprächtiges Aquarell, das auf dem Kunstmarkt hohe Preise erzielt
- Der Vollmond (Mondnacht) (1919) – das teuerste versteigerte Gemälde mit 7,4 Millionen Dollar (Britannica)
- Die Zwitscher-Maschine (1922) – eine surreal anmutende Darstellung von Vögeln auf einer Kurbel
- Ad Parnassum (1932) – ein großformatiges pointillistisches Werk aus der Bauhaus-Zeit
Die Bandbreite seiner Motive reicht von abstrakten Kompositionen bis zu figurativen Szenen, oft mit einem Hauch von Ironie und Poesie.
Wie viele Bilder schuf Paul Klee insgesamt?
Paul Klee war enorm produktiv. Die Enzyklopädie Britannica beziffert sein Gesamtwerk auf über 9.000 Arbeiten – darunter Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Collagen. Die Stiftung Zentrum Paul Klee in Bern, die führende Forschungseinrichtung zu Leben und Werk des Künstlers, verwaltet das umfangreiche Werkverzeichnis. Bedenkt man, dass Klee nur 61 Jahre alt wurde, bedeutet das im Schnitt etwa 150 Werke pro Jahr – eine bemerkenswerte Schaffensdichte.
Das bedeutet: Klee hat in seinem Leben im Durchschnitt alle zwei bis drei Tage ein neues Werk geschaffen. Selbst in Phasen schwerer Krankheit ließ seine Produktivität nicht vollständig nach.
Was geschah mit Paul Klee?
Die Lebensstationen des Künstlers sind ebenso bewegt wie sein Werk – von der Kindheit in der Schweiz bis zum Tod in der Emigration.
Wann wurde Paul Klee geboren?
Paul Ernst Klee wurde am 18. Dezember 1879 in Münchenbuchsee bei Bern geboren. Sein Vater war Musiklehrer, seine Mutter Sängerin – eine musikalische Prägung, die sein ganzes Werk durchziehen sollte. Laut der Britannica wuchs Klee in einer Umgebung auf, die Kreativität und Disziplin gleichermaßen förderte.
Wo lebte Paul Klee?
Klee verbrachte seine Kindheit in der Schweiz, studierte jedoch von 1898 bis 1901 in München Kunst. Nach seiner Heirat mit der Pianistin Lily Stumpf im Jahr 1906 lebte er abwechselnd in München und in der Schweiz. Von 1920 bis 1931 lehrte er am Bauhaus in Weimar und Dessau, wie der Kunstverlag SWP dokumentiert. 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die seine Kunst als „entartet” diffamierten, emigrierte Klee endgültig in die Schweiz. Er ließ sich in Bern nieder und lebte dort bis zu seinem Tod in Muralto bei Locarno am 29. Juni 1940.
Das Muster: Klee blieb zeitlebens zwischen Deutschland und der Schweiz hin- und hergerissen – erst der politische Druck zwang ihn zur endgültigen Rückkehr.
Hatte Paul Klee Kinder?
Ja, Paul Klee und seine Frau Lily Stumpf hatten einen Sohn namens Felix Klee, der 1907 geboren wurde. Felix Klee wurde später selbst Kunsthistoriker und trug maßgeblich zur Erschließung des Nachlasses seines Vaters bei. Die Familie blieb eng verbunden, auch nach Klees Emigration in die Schweiz.
Was ist die Todesursache von Paul Klee?
Paul Klee starb am 29. Juni 1940 an den Folgen der Sklerodermie, einer progressiven systemischen Autoimmunerkrankung. Die Symptome – Hautausschlag, Schluckbeschwerden, Atemnot bei Belastung und Gelenkschmerzen – traten erstmals 1935 auf, wie eine medizinische Fachpublikation des National Institutes of Health beschreibt. Die Erkrankung schritt langsam voran und führte schließlich zu Herz- und Lungenversagen. Eine retrospektive Einordnung in einer Publikation der Deutschen Nationalbibliothek geht davon aus, dass Klee wahrscheinlich die schwerste Form der Sklerodermie, die diffuse systemische Sklerose, hatte.
Der Verlust: Die Symptome waren so schwerwiegend, dass Klee in der Anfangsphase über ein Jahr lang arbeitsunfähig war. Seine Finger waren so stark betroffen, dass er zeitweise kaum noch malen konnte.
War Paul Klees Sklerodermie eine Berufskrankheit?
Die Frage spaltet Mediziner und Kunsthistoriker – denn die Werkzeuge des Künstlers könnten sein Verhängnis gewesen sein.
Was für eine Krankheit hatte Paul Klee?
Klee litt an progressiver systemischer Sklerodermie, einer Autoimmunerkrankung, bei der das Bindegewebe verhärtet und vernarbt. Die Diagnose wurde 1935 gestellt, wobei mehrere Quellen das Jahr 1936 nennen, wie eine Studie in der medizinischen Datenbank PubMed anmerkt. Interessant ist, dass die Krankheit zu Lebzeiten nicht sicher als Sklerodermie diagnostiziert wurde – die Benennung erfolgte retrospektiv.
Im Raum steht die Frage, ob die Sklerodermie durch Arsen in Malerfarben ausgelöst wurde. Künstler des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verwendeten häufig arsenhaltige Pigmente wie Schweinfurter Grün. Die Diskussion, ob Klees Krankheit als Berufskrankheit anzuerkennen ist, ist nach Angaben der Deutschen Nationalbibliothek nicht abschließend geklärt.
Ausgerechnet die Farben, mit denen Klee seine berühmtesten Werke schuf, könnten seine Gesundheit zerstört haben. Ein bitterer Widerspruch, der bis heute ungelöst ist.
Das Dilemma: Für Kunsthistoriker und Mediziner bleibt die Frage offen, ob Klees Krankheit vermeidbar gewesen wäre. Wäre die Arsenbelastung der Auslöser, hätte eine andere Arbeitsumgebung sein Leben möglicherweise verlängert.
Was ist das Besondere an Paul Klee?
Klees künstlerische Einzigartigkeit liegt in seiner Fähigkeit, gegensätzliche Strömungen zu vereinen – Abstraktion und Figur, Farbe und Linie, Musik und Bild.
Welcher Epoche wird Paul Klee zugeordnet?
Klees Stil ist vielschichtig und entzieht sich einer einfachen Kategorisierung. Die deutschsprachige Wikipedia ordnet ihn dem Expressionismus, Konstruktivismus, Kubismus, Primitivismus und Surrealismus zu. Diese Bandbreite macht Klee zu einem der vielseitigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Er war nicht nur Maler, sondern auch Grafiker, Zeichner und Kunsttheoretiker. Seine Lehrtätigkeit am Bauhaus von 1920 bis 1931 prägte zudem eine ganze Generation von Künstlern.
Die Stiftung Zentrum Paul Klee bezeichnet ihn als einen der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts – eine Einschätzung, die durch die hohe Nachfrage auf dem Kunstmarkt untermauert wird.
Die Implikation: Keine einzelne Stilrichtung kann Klee vollständig fassen – seine Kunst ist ein eigenes Universum.
Welche Techniken verwendete Paul Klee?
Klee experimentierte mit einer Vielzahl von Techniken. Laut der niederländischen Wikipedia kombinierte er abstrakte und figurative Elemente mit einer ausgeprägten Farbgestaltung. Zu seinen bevorzugten Techniken gehörten:
- Ölmalerei – für seine großformatigen Werke
- Aquarell – besonders in seinen späteren Jahren
- Zeichnung – oft mit Feder und Tusche
- Collage – experimentelle Arbeiten mit verschiedenen Materialien
- Mischtechniken – er kombinierte häufig Öl und Aquarell auf Leinwand oder Papier
Seine Experimentierfreude zeigt sich in Werken wie Ad Parnassum, das mit pointillistischen Farbtupfern arbeitet, oder Die Zwitscher-Maschine, einer surrealen Drahtskulptur auf Papier.
Das Muster: Klee nutzte jede Technik als Werkzeug, um seine poetische Bildsprache zu erweitern.
Was ist das teuerste Bild von Paul Klee?
Der Kunstmarkt spiegelt Klees anhaltende Wertschätzung – und ein Gemälde führt die Rangliste an.
Das teuerste versteigerte Gemälde Paul Klees ist Der Vollmond (auch Mondnacht genannt), das 2019 bei Sotheby’s für 7,4 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Die Britannica führt dieses Werk als Rekordhalter in Klees Auktionsgeschichte. Weitere teure Werke sind Goldfisch und Die Zwitscher-Maschine, die ebenfalls Preise im Millionenbereich erzielten.
Die Preise spiegeln wider: Klees Marktwert ist seit den 1990er Jahren kontinuierlich gestiegen. Für Sammler bleibt er einer der begehrtesten Künstler des 20. Jahrhunderts.
Zeitleiste: Paul Klees Leben
- 1879 – Geburt von Paul Klee in Münchenbuchsee bei Bern (Britannica)
- 1898–1901 – Kunststudium in München
- 1906 – Heirat mit Lily Stumpf (Kunstverlag SWP)
- 1912 – Teilnahme an der Ausstellung des Blauen Reiters
- 1920–1931 – Lehrtätigkeit am Bauhaus in Weimar und Dessau (Kunstverlag SWP)
- 1933 – Emigration in die Schweiz nach Diffamierung durch die Nationalsozialisten (Kunstverlag SWP)
- 1935 – Erste Symptome der Sklerodermie (Zentrum Paul Klee)
- 1940 – Tod in Muralto bei Locarno (Britannica)
Bestätigte Fakten und offene Fragen
Bestätigte Fakten
- Geburtsdatum: 18. Dezember 1879 (Britannica)
- Sterbedatum: 29. Juni 1940 (Britannica)
- Über 9.000 Werke geschaffen (Britannica)
- Krankheit: Sklerodermie, ab 1935 diagnostiziert (Zentrum Paul Klee)
- Senecio (1922) ist ein bekanntestes Werk (Singulart)
Was unklar ist
- Ob die Sklerodermie durch Arsen in Malerfarben verursacht wurde und als Berufskrankheit gilt (PubMed)
- Exakte Diagnose zu Lebzeiten nicht gesichert – retrospektive Benennung (zwitscher-maschine.org)
Stimmen zu Paul Klee
„Paul Klee gehört zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist von einer einzigartigen poetischen Kraft.”
Stiftung Zentrum Paul Klee, Bern
„Klee litt an einer Autoimmunerkrankung und hinterließ ein Werk von nahezu 10.000 Arbeiten – eine bemerkenswerte Produktivität trotz schwerer Krankheit.”
„Die Symptome seiner Erkrankung führten zu einer über ein Jahr andauernden Arbeitsunfähigkeit in der Anfangsphase der Krankheit.”
Enzyklopädie Britannica
„Klees Stil kombinierte abstrakte und figurative Elemente mit ausgeprägter Farbgestaltung – ein Alleinstellungsmerkmal in der Kunst des 20. Jahrhunderts.”
Für die Kunstwelt bleibt das Vermächtnis Paul Klees ungebrochen aktuell. Die Frage, ob seine Krankheit durch die Arbeit mit arsenhaltigen Farben ausgelöst wurde, ist nicht nur medizinisch relevant, sondern wirft ein ethisches Licht auf die Arbeitsbedingungen von Künstlern des frühen 20. Jahrhunderts. Für Forscher und Sammler gleichermaßen gilt: Klees Werk ist ein Fenster in eine Epoche, in der künstlerische Freiheit und gesundheitliche Risiken oft nah beieinander lagen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Sprachen sprach Paul Klee?
Paul Klee wuchs zweisprachig auf – Deutsch und Französisch – und lernte im Laufe seines Lebens auch Englisch und Italienisch. Seine Korrespondenz und Tagebücher verfasste er hauptsächlich auf Deutsch.
Welche Ausstellung zeigte Paul Klees Werke zu Lebzeiten?
Klee war bereits zu Lebzeiten auf zahlreichen Ausstellungen vertreten, darunter 1912 die Ausstellung des Blauen Reiters in München und später regelmäßig im Bauhaus-Archiv. Seine Werke wurden auch in der Schweiz und in den USA gezeigt.
Wo befindet sich das Zentrum Paul Klee?
Das Zentrum Paul Klee (ZPK) befindet sich in Bern, Schweiz. Es wurde 2005 eröffnet und beherbergt die weltweit umfangreichste Sammlung von Klees Werken, darunter rund 4.000 Arbeiten.
Wie beeinflusste Paul Klee die moderne Kunst?
Klee beeinflusste die moderne Kunst durch seine einzigartige Mischung aus Abstraktion und Figürlichkeit, seine Farbtheorie und seine Lehrtätigkeit am Bauhaus. Seine Werke inspirierten Künstler aller Richtungen, vom Expressionismus bis zur abstrakten Kunst.
War Paul Klee auch musikalisch begabt?
Ja, Klee wuchs in einer musikalischen Familie auf – sein Vater war Musiklehrer, seine Mutter Sängerin. Er selbst spielte Geige und hatte ein feines Gespür für Rhythmus und Harmonie, was sich in der Komposition seiner Bilder widerspiegelt.
Welche Rolle spielte Klee am Bauhaus?
Klee lehrte von 1920 bis 1931 am Bauhaus in Weimar und Dessau. Er unterrichtete unter anderem Farbtheorie, Formenlehre und Materialkunde. Sein pädagogisches Wirken prägte eine ganze Generation von Künstlern und Architekten.
Was ist der Nachlass von Paul Klee wert?
Der künstlerische Nachlass von Paul Klee ist unbezahlbar. Einzelne Werke erzielen auf Auktionen Millionenpreise – Der Vollmond wurde 2019 für 7,4 Millionen Dollar versteigert. Die Sammlung des Zentrum Paul Klee in Bern ist auf mehrere hundert Millionen Franken versichert.