
Erste Hilfe: Grundlagen, Maßnahmen und die wichtigsten Regeln
Jeder von uns kann plötzlich in eine Situation geraten, in der Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Ob im Straßenverkehr, bei der Arbeit oder zu Hause – wer die richtigen Handgriffe kennt, kann zum Lebensretter werden; dieser Leitfaden fasst die offiziellen Handlungsabläufe von Deutschem Roten Kreuz, Malteser und Johannitern zusammen und beantwortet die wichtigsten Fragen zur Ersten Hilfe.
Anzahl der Grundsätze: 3 ·
Notrufnummer in Deutschland: 112 ·
Schritte der Rettungskette: 4 ·
Buchstaben der ABC-Regel: 3 (A, B, C) ·
Fragen beim Notruf (5 W): 5
Kurzüberblick
- Die 112 ist die europaweite Notrufnummer (Deutsches Rotes Kreuz (offizielle Hilfsorganisation))
- Die Rettungskette ist ein anerkanntes Modell (Deutsches Rotes Kreuz (Rettungskette))
- Die 5-W-Fragen sind Standard (Haufe (Arbeitsschutz-Portal))
- Die genaue Anzahl der jährlichen Erste-Hilfe-Kurse in Deutschland schwankt je nach Quelle (BGHM / DGUV Information 204-006 (Unfallversicherung))
- Die Effektivität von Laien-Wiederbelebung hängt stark von der individuellen Schulung ab (BGHM / DGUV Information 204-006 (Unfallversicherung))
- Die ABC-Regel ist international verbreitet (BGHM / DGUV Information 204-006 (Unfallversicherung))
- Die Rettungskette ist seit Jahrzehnten das etablierte Modell in Deutschland
- Die 112 ist seit 1991 die europaweite Notrufnummer
- Regelmäßige Auffrischungskurse alle 2 Jahre empfohlen
- Ausweitung von Laien-Defibrillatoren (AED) im öffentlichen Raum
Die Tabelle fasst die wichtigsten Kennzahlen zusammen.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Notrufnummer in Deutschland | 112 |
| Anzahl der Grundsätze | 3 |
| Schritte der Rettungskette | 4 |
| Buchstaben in der ABC-Regel | 3 (A, B, C) |
| Fragen beim Notruf | 5 (die 5 W) |
| Druck-Tempo bei Herzdruckmassage | 100-120 pro Minute |
Welche sind die ersten 3 Grundsätze der Ersten Hilfe?
Die drei Grundsätze im Überblick
- Leben retten – oberste Priorität in jeder Notlage (Deutsches Rotes Kreuz (Bundesverband))
- Schaden verhüten – weitere Verletzungen vermeiden
- Hilfe ohne Selbstgefährdung – Eigenschutz geht vor
Diese drei Grundsätze gelten für jede Erste-Hilfe-Situation, egal ob im Straßenverkehr, im Haushalt oder am Arbeitsplatz. Das DRK betont: „Sicherheit geht vor!“ (Deutsches Rotes Kreuz (Lebensrettende Sofortmaßnahmen)).
Bedeutung der Grundsätze für die Praxis
Wer sich diese drei Grundsätze einprägt, handelt in der Notlage strukturiert und vermeidet Panik. Der Eigenschutz steht an erster Stelle, denn ein verletzter Helfer kann niemandem mehr helfen.
Diese Grundsätze bilden das ethische Fundament der Ersten Hilfe.
Welche Reihenfolge bei Erster Hilfe?
- Eigenschutz und Absicherung der Unfallstelle
- Notruf absetzen
- Lebensrettende Sofortmaßnahmen
- Betreuung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
Schritt 1: Eigenschutz und Absicherung der Unfallstelle
- Unfallstelle absichern (Warnblinker, Warndreieck)
- Eigenschutz beachten (z. B. Handschuhe, Verkehr beachten)
- Gefahrenbereich erkennen und meiden
Der ASB nennt als ersten Schritt: Sicherheit achten, Gefahrenbereich retten, Hilfe rufen (ASB (Erste-Hilfe-Handbuch)).
Schritt 2: Notruf absetzen
- Notrufnummer 112 wählen
- Die 5 W-Fragen beantworten
- Auf Rückfragen der Leitstelle warten
Die allgemeine Priorität in Erste-Hilfe-Situationen ist zunächst Absichern der Unfallstelle, dann Notruf 112, danach weitere lebensrettende Maßnahmen (Haufe (Arbeitsschutz-Portal)).
Schritt 3: Lebensrettende Sofortmaßnahmen
- Bewusstsein prüfen
- Atmung prüfen
- Stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung
- Herz-Lungen-Wiederbelebung bei fehlender Atmung
Die DGUV-Anleitung nennt als Kernpunkte Bewusstsein prüfen, Atmung prüfen, Atemwege freimachen und situationsgerecht helfen (BGHM / DGUV Information 204-006 (Unfallversicherung)).
Schritt 4: Betreuung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
- Verletzte zudecken und betreuen
- Keine Nahrung oder Getränke geben
- Beruhigend auf den Betroffenen einwirken
Die Johanniter setzen bei vorrangigen Maßnahmen auf stabile Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Stillung bedrohlicher Blutungen und Schocklage (Die Johanniter (Broschüre „Fit in Erster Hilfe“)).
Das schrittweise Vorgehen nach der Rettungskette minimiert Hektik und Fehler.
Was ist die ABC-Regel in der Ersten Hilfe?
A = Atmung prüfen
- Atemwege freimachen (Kopf überstrecken, Kinn anheben)
- Sehen, Hören, Fühlen – maximal 10 Sekunden
- Normale Atmung? Ja → stabile Seitenlage. Nein → Wiederbelebung
B = Bewusstsein prüfen
- Ansprechen, anfassen, Schmerzreiz setzen
- Reagiert der Betroffene? Ja → weitere Versorgung. Nein → Atmung prüfen
C = Circulation (Kreislauf) prüfen
- Kreislaufzeichen prüfen (Bewegung, Husten, normale Atmung)
- Bei fehlenden Kreislaufzeichen: Herzdruckmassage beginnen
- 30 Herzdruckmassagen, dann 2 Beatmungen
Die ABC-Regel ist international verbreitet und hilft, die Priorität der Maßnahmen zu bestimmen (BGHM / DGUV Information 204-006 (Unfallversicherung)).
Die klare Priorisierung der ABC-Regel verhindert, dass lebenswichtige Schritte übersehen werden.
Was ist die 4-S-Regel bei der Ersten Hilfe?
S1: Sicherheit für den Helfer
- Eigenschutz hat oberste Priorität
- Unfallstelle absichern
- Gefahren erkennen und vermeiden
S2: Sichtung der Lage
- Überblick verschaffen
- Anzahl der Verletzten erfassen
- Art der Verletzungen einschätzen
S3: Sofortmaßnahmen
- Lebensrettende Maßnahmen einleiten
- Stabile Seitenlage oder Wiederbelebung
- Blutungen stillen
S4: Sanitätsdienst alarmieren
- Notruf 112 absetzen
- 5 W-Fragen beantworten
- Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes betreuen
Die 4-S-Regel ist eine Merkhilfe für das Vorgehen, die vor allem in der Ausbildung von Hilfsorganisationen verwendet wird.
Diese Merkhilfe erleichtert das strukturierte Handeln unter Stress.
Wie heißen die 5 W Fragen?
Wer ruft an?
- Name und Rückrufnummer des Anrufers
- Damit die Leitstelle bei Rückfragen zurückrufen kann
Was ist passiert?
- Kurze Schilderung des Notfalls
- Unfall, medizinischer Notfall, Vergiftung?
Wo ist es passiert?
- Genaue Adresse, Ortsteil, Besonderheiten
- Bei Autobahnen: Fahrtrichtung und Kilometerangabe
Wie viele Verletzte?
- Anzahl der betroffenen Personen
- Grobe Einschätzung der Verletzungsschwere
Warten auf Rückfragen
- Nicht auflegen, bis die Leitstelle das Gespräch beendet
- Weitere Anweisungen der Leitstelle befolgen
Die Haufe-Darstellung nennt als Notruf die 5 Ws: Wo ist es passiert, Was ist geschehen, Wieviele Betroffene, Welche Verletzungen liegen vor, Warten auf Rückfragen (Haufe (Arbeitsschutz-Portal)).
Die Beantwortung der 5 W-Fragen ist der Schlüssel zu einer schnellen und gezielten Rettung.
Was tun, wenn jemand bewusstlos ist und nicht atmet?
Bewusstlosigkeit erkennen
- Ansprechen und anfassen
- Reagiert der Betroffene nicht? → Bewusstlosigkeit
- Sofort Atmung prüfen
Atmung prüfen
- Kopf überstrecken, Kinn anheben
- Sehen, Hören, Fühlen – maximal 10 Sekunden
- Keine normale Atmung? → Herz-Lungen-Wiederbelebung
Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen
- 30 Herzdruckmassagen (Druckpunkt: Mitte des Brustkorbs)
- Drucktiefe: 5 bis maximal 6 cm
- Frequenz: 100 bis 120 pro Minute
- 2 Beatmungen nach 30 Druckmassagen
Die DGUV nennt für die Herzdruckmassage eine Frequenz von 100 bis 120 pro Minute und ein Druckmaß von 5 bis maximal 6 cm (BGHM / DGUV Information 204-006 (Unfallversicherung)).
Defibrillator einsetzen (AED)
- Wenn verfügbar: AED holen lassen
- Gerät einschalten und den Sprachanweisungen folgen
- Elektroden auf die freie Brust kleben
- Wiederbelebung fortsetzen, bis der Rettungsdienst eintrifft
Die DGUV empfiehlt, bei einem Kreislaufstillstand den AED holen zu lassen (BGHM / DGUV Information 204-006 (Unfallversicherung)).
Je früher mit der Wiederbelebung begonnen wird, desto höher sind die Überlebenschancen.
Wie geht das ABCDE?
A = Airway (Atemweg)
- Atemwege freimachen
- Kopf überstrecken, Kinn anheben
- Fremdkörper entfernen, wenn sichtbar
B = Breathing (Atmung)
- Atmung prüfen (Sehen, Hören, Fühlen)
- Atemfrequenz und -tiefe beurteilen
- Bei fehlender Atmung: Beatmung einleiten
C = Circulation (Kreislauf)
- Kreislaufzeichen prüfen
- Herzdruckmassage bei Kreislaufstillstand
- Blutungen stillen
D = Disability (neurologische Defizite)
- Bewusstseinszustand prüfen (AVPU-Schema)
- Pupillenreaktion prüfen
- Neurologische Ausfälle erkennen
E = Exposure (Untersuchung und Umgebung)
- Körperliche Untersuchung auf weitere Verletzungen
- Umgebung auf Gefahren prüfen
- Betroffenen vor Unterkühlung schützen
Das ABCDE-Schema erweitert die ABC-Regel um neurologische und umgebungsbezogene Aspekte und wird vor allem im professionellen Rettungsdienst verwendet.
Dieses Schema stellt sicher, dass keine kritischen Verletzungen oder Gefahren übersehen werden.
Stimmen aus der Praxis
„Einen Überblick verschaffen, Unfallstelle absichern, Rettungsgriff, Notruf wählen, lebensrettende Maßnahmen.“
– Malteser (Hilfsorganisation)
„Inhalte: Eigenschutz, Absichern, Helfen bei Unfällen, Wundversorgung, Gelenkverletzungen.“
– DRK (Deutsches Rotes Kreuz, Kursbeschreibung)
„Unter Erster Hilfe versteht man lebensrettende und gesundheitserhaltende Sofortmaßnahmen.“
– Wikipedia (Definition Erste Hilfe)
Die Definition von Erster Hilfe als lebensrettende und gesundheitserhaltende Sofortmaßnahmen (Wikipedia (Definition)) zeigt: Es geht nicht um vollständige medizinische Versorgung, sondern um die entscheidenden ersten Schritte, bis der Rettungsdienst eintrifft.
drk.de, publikationen.dguv.de, drk-mittelhessen.de, malteser.de, drk-hamburg.de, roteskreuz.at
Häufig gestellte Fragen
Wie oft muss ein Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt werden?
Für den Führerschein ist der Kurs einmalig erforderlich. Für betriebliche Ersthelfer wird eine Auffrischung alle 2 Jahre empfohlen. Viele Hilfsorganisationen bieten regelmäßige Kurse an.
Ist Erste Hilfe bei Kindern anders?
Ja, bei Kindern gelten abweichende Drucktiefen und Beatmungsvolumina. Die Herzdruckmassage erfolgt bei Säuglingen mit zwei Fingern, bei Kleinkindern mit einer Hand. Die 30:2-Regel bleibt gleich.
Welche Fehler werden bei der Ersten Hilfe am häufigsten gemacht?
Die häufigsten Fehler sind: Zögern aus Angst vor Fehlern, falsche Drucktiefe bei der Herzdruckmassage, zu langsames oder zu schnelles Drücken, und das Vergessen des Eigenschutzes.
Was tun bei einem Stromunfall?
Zuerst Stromquelle abschalten oder den Betroffenen mit einem nichtleitenden Gegenstand (z. B. Holzbesen) vom Strom trennen. Dann Bewusstsein und Atmung prüfen. Bei fehlender Atmung sofort mit Wiederbelebung beginnen.
Wie lagert man eine bewusstlose Person richtig?
In die stabile Seitenlage. Dazu den Betroffenen auf den Rücken legen, den nahen Arm nach oben nehmen, das ferne Bein anwinkeln und den Betroffenen vorsichtig auf die Seite drehen. Den Kopf leicht überstrecken, damit die Atemwege frei bleiben.
Welche Inhalte hat ein Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein?
Der Kurs umfasst 9 Unterrichtseinheiten (à 45 Minuten) mit den Themen: Eigenschutz, Absichern von Unfallstellen, Notruf, stabile Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Wundversorgung und Schockbekämpfung.
Kann man Erste Hilfe auch online lernen?
Online-Kurse können theoretische Grundlagen vermitteln, ersetzen aber nicht die praktische Übung. Für den Führerschein und betriebliche Ersthelfer ist ein Präsenzkurs vorgeschrieben.
Was ist ein AED und wie verwendet man ihn?
Ein AED (Automatisierter Externer Defibrillator) ist ein Gerät, das den Herzrhythmus analysiert und bei Bedarf einen elektrischen Schock abgibt. Er wird einfach eingeschaltet, die Sprachanweisungen führen durch die Anwendung. Die Elektroden werden auf die freie Brust geklebt.
Weitere Informationen zu Notfällen wie Schlaganfall und Parkinson finden Sie in unseren Artikeln über Monica Lierhaus und Ottfried Fischer.
Die Grundlagen der Ersten Hilfe sind einfach zu erlernen und können im Ernstfall Leben retten. Wer die drei Grundsätze, die Rettungskette, die ABC-Regel und die 5 W-Fragen beherrscht, ist für die meisten Notfälle gut gerüstet. Für jeden in Deutschland, der einen Führerschein macht oder im Betrieb als Ersthelfer tätig ist, ist der Schritt klar: Einen Erste-Hilfe-Kurs bei einer anerkannten Hilfsorganisation besuchen – oder die Kenntnisse alle zwei Jahre auffrischen.